Kita-Kinder (im Alter von 3 — & Jahren) fangen an zu verstehen, dass Bildschirmmedien keine magischen Fenster der Welt, sondern von Menschen gemachte Produkte sind. Wenn wir mit Kindern selber Filme machen, erfahren sie, wie diese gemacht werden.
Das Medienzentrum hat in den vergangenen Wochen mit verschiedenen Kitas im Hochsauerlandkreis ausprobiert, wie Kinder mit der Tablet-Kamera und verschiedenen Apps lustige Videos zu ihren Themen erstellen können. Das sind ihre erprobten Ideen:
Musikvideos
Kinder lieben Musik. Im Kindergarten wird ständig etwas geträllert und Weihnachtslieder klingen auch noch an Ostern in den Gruppenräumen nach.
Ihre aktuellen Lieblingslieder wollten einige Kinder festhalten und darstellen. Sie entschieden sich kurzerhand dazu, ein Musikvideo aufzunehmen. Dafür schnappten sie sich eine eisige Kulisse und ein paar Pinguin-Figuren, drückten die Video-Aufnahmetaste und fingen an zu singen. Fertig war das Musikvideo zu ihrem aktuellen Ohrwurm. Gleichzeitig erfuhren die Kinder, dass es manchmal nicht viel braucht, um ihre Interessen kreativ zu präsentieren.
Eine andere Kita nutze für ihr Musikvideo zum aktuellen Lieblingslied die App „Puppet Pals School Edition“. Mit dieser kann man mit selbstfotografierten Hintergründen und Figuren ein digitales Puppentheater aufnehmen und gleichzeitig vertonen.
Ganz schnell: Zeitraffer
Schnee beim Schmelzen oder Eis beim Einfrieren zuzugucken, kann ganz schön langweilig sein.
Wenn man aber die Zeitraffer-Funktion der Tablet-Kamera oder der „Stop Motion Studio Pro“-App auf das Naturphänomen richtet, geht es plötzlich ganz schnell – fast wie durch Zauberei.
Ganz langsam: Slow-Motion
Manchmal bewegt sich etwas zu schnell für unsere Augen, um es bewusst wahrzunehmen. Doch die Slow-Motion-Funktion der Tablet-Kamera kann uns beim genauen Hinsehen helfen:
- Wie springt das Spielzeug-Auto die Rampe runter?
- Wie stürzt mein großer Turm in sich zusammen, wenn ich ihn aufräumen muss?
- Wie funktioniert der Jackentrick?
- Und wo müssen meine Arme und Beine beim Hampelmann hin?
So entsteht ein Zeichentrick-Film: Stop-Motion
Das Sandmännchen bewegt sich so fort und auch Shaun das Schaf macht so seinen Quatsch: Jede kleine Bewegung der Figuren wird hinter den Kulissen per Hand gesetzt und fotografiert. Am Ende wird dann aus den vielen Fotos ein Film, indem sich die Figuren flüssig bewegen.
Kinder können mit dieser Machart ihre eigenen Lieblingsfiguren und Geschichten zum Leben erwecken:
- Variante 1: Mit der Tablet-Kamera werden die einzelnen Fotos gemacht. Mit einer Videoschnitt-App, wie etwa iMovie, werden die Fotos dann zusammengefügt.
- Variante 2: Mit den Apps „Stop Motion Studio“ oder Stop Motion Studio Pro“ werden die Fotos automatisch in der App zu seinem Film zusammengeschnitten. Hier kann der „Ghost-Modus“ helfen, möglichst kleine Bewegungen zu machen, weil ein Schatten des vorherigen Bildes in der aktuellen Aufnahme-Ansicht zu sehen ist. Außerdem kann hier zusätzlich mit Green Screen-Effekten gearbeitet werden.
Für beide Varianten ist es wichtig, dass das Tablet fest steht, zum Beispiel mit einem Stativ.
Ein Kindergarten hat damit ihren Spielteppich-Verlauf festgehalten. Eine andere hat so eine selbstgebastelte Kamishibai-Geschichte aufgenommen. Und ein weiterer Kindergarten plant damit der großen, selbstgebauten Lego-Titanic durch die Unterstützung von Super Mario ein Happy End zu verpassen.
Dinge sprechen lassen: ChatterPix Kids
- Wie fühlt sich der Baum im Winter?
- Was denkt die chaotische Spielecke?
- Und was hat das Lieblingskuscheltier zu erzählen?
Mit der App „ChatterPix Kids“ können Kinder Dinge fotografieren, ihnen einen Mund einzeichnen und sie mittels Sprachaufnahme sprechen lassen. Das macht super viel Spaß, fördert aber auch das Einfühlungsvermögen und die Fantasie der Kinder.
Ein Kindergarten hat mit der App ihr St. Martin Spiel vorbereitet: Die Kinder haben einzelnen Szenen dargestellt, mit der App abfotografiert und die Figuren sprechen lassen. Die einzelnen kleinen Videos schnitten sie dann mit der App „iMovie“ zu einem kleinen Film zusammen. So konnte sich auch das Pferd von St. Martin äußern. Und Kinder, die sich nicht getraut hätten, das Spiel live vorzuspielen, konnten so trotzdem stolz Teil der kreativen Aufführung sein.
Die Wand hochklettern: Eine Frage der Perspektive
Ihr könnt wie Spiderman die Wand hochklettern!
- Sucht euch einen neutralen (gepflasterten) Untergrund und eine neutrale Wand im Hintergrund.
- Stellt das Tablet im Querformat mit einem Stativ oder Ständer auf.
- Filmt, wie ihr von links nach rechts über den Boden krabbelt.
- Bearbeitet das fertige Video und dreht es um 90°, sodass ihr nicht mehr von links nach rechts, sondern von unten nach oben krabbelt.
- Fertig!
Wie sieht der Sonnenaufgang wohl in Zeitraffer aus?
(Bild: Anselmo Pedraz / Pixabay)
Tipp: Geführter Modus / App fixieren
Damit die Kinder mit dem Tablet wirklich nur die App nutzen, die sie für ihre Idee oder Aufgabe brauchen, können Sie die App fixieren. Die Kinder können die App dann nicht schließen und auch der Bildschirm wird in dieser Einstellung nicht gesperrt.
Die Seite www.medienkindersicher.de erklärt, wie es geht:
Noch mehr Medienbildungs-Ideen für die Kitas im HSK sind auf unserer Seite “Medienbildung trifft Kita” gebündelt.
Die hier vorgestellten Apps und Geräte können sich Kitas im Hochsauerlandkreis kostenlos beim Medienzentrum ausleihen.


